Unser Gesundheitsblog

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Lippenherpes –

Küssen verboten

Gesundheitsblog September 2018

Lippenherpes - Küssen verboten

 

Wer von Lippenherpes betroffen ist, kennt dieses ganz spezielle Kribbeln, das sich bemerkbar macht, kurz bevor er mal wieder zuschlägt. Reagieren Betroffene schnell mit einer geeigneten antiviralen Behandlung, lässt sich der Ausbruch manchmal noch verhindern. Wenn nicht, kommt es zu den üblichen, quälenden Symptomen: juckende, schmerzende, nässende Bläschen, die sich meist am Übergang von den Lippen zur Gesichtshaut ansiedeln, aber auch im Mund oder im Bereich der Nase auftreten können. Für diese am häufigsten auftretende Form des Herpes, auch Herpes labialis genannt, ist meist das Herpes-simplex-Virus Typ 1 verantwortlich. Es ist zu unterscheiden vom artverwandten Herpes-simplex-Virus Typ 2, das meist der Auslöser für Genitalherpes ist.   

Infektion

Die Infektion mit dem Herpes Virus kann durch direkte Schmierinfektion (z.B. durch Küssen), indirekte Schmierinfektion (z.B. gemeinsame Nutzung eines Glases) oder auch durch Tröpfcheninfektion (z.B. Husten oder Niesen) erfolgen. Hauptsächlich werden die Viren über infizierten Speichel übertragen.

Die Primärinfektion erfolgt meist schon im Kindesalter. Die Übertragungsquote ist hier aufgrund intensiver Eltern-Kind-Kontakte und der engen Kontakte zwischen Kindern beim Spielen besonders hoch. Insbesondere, da kleinere Kinder ihre Finger häufig in den Mund stecken, besteht große Gefahr, dass infizierter Speichel ausgetauscht und das Virus so von einem Kind auf das andere übertragen wird. 

Obwohl die erste Ansteckung häufig symptomfrei verläuft, gilt: Ist man einmal mit einem Herpes-Virus infiziert, bleibt es einem ein Leben lang erhalten. Die Viren wandern entlang der Nervenfasern bis ins Rückenmark und nisten sich in den Nervenenden ein. Dort schlummern sie – manchmal jahrelang – vom Immunsystem unentdeckt, bis sie reaktiviert werden. Viele Menschen tragen das Virus auch in sich, ohne dass es jemals zum Ausbruch kommt. Auslöser für eine Reaktivierung können zum Beispiel Stress oder ein geschwächtes Immunsystem auf Grund eines Infekts sein. Aber auch, wenn die Nerven durch zu starke Sonneneinstrahlung gereizt werden oder hormonelle Schwankungen auftreten, kann dies zu Herpes führen. Bei einer Reaktivierung wandern die Viren den gleichen Weg zurück, den sie gekommen sind, und vermehren sich an der Hautoberfläche explosionsartig.

Achtung: Eine Ansteckungsgefahr besteht immer dann, wenn das Virus reaktiviert wurde – also auch, wenn (noch) keine Bläschen sichtbar sind. Um eine Übertragung der Erreger zu vermeiden, sollten Sie in Akutphasen auf besondere Hygiene achten, direkten Hautkontakt und Küsse vermeiden und keine Handtücher, Gläser oder sonstige Gegenstände mit anderen teilen, die infiziert sein könnten.

Symptome

Steht der Herpes kurz vor dem Ausbruch, kündigt sich dies meist schon ein paar Stunden bis zu einem Tag vorher durch ein Spannungsgefühl, Kribbeln oder Brennen der betroffenen Stelle an. Im Anschluss kommt es zur Bildung von Bläschen, die mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt sind. Diese enthält Herpes-Viren in konzentrierter Form und ist daher hoch infektiös. Sie sollten die Bläschen deshalb nie aktiv öffnen, um eine weitere Verbreitung der Viren zu vermeiden. Zudem begünstigt das frühzeitige Öffnen der Bläschen das Eindringen von Bakterien und somit teilweise schwere Entzündungen. Die Bläschen platzen nach einigen Tagen von selbst, woraufhin sich eine kleine, sehr empfindliche Wunde bildet, die schnell verschorft. Nach ca. zehn Tagen fällt der Schorf ab und bringt frische, gesunde Haut zum Vorschein.

Es gibt derzeit keine Möglichkeit, sich zum Beispiel durch eine Impfung nachhaltig vor einem Herpes-Ausbruch zu schützen. Jedoch lässt sich das Risiko durch eine gesunde Lebensweise zur Stärkung des Immunsystems, die Vermeidung von Stress (lesen Sie hierzu auch unsere Blog Beiträge ‚gesunde Ernährung‘ und ‚Stressbewältigung‘) und den Verzicht auf intensive Sonnenbäder verringern.

Behandlung

Herpes-Viren lassen sich nicht ursächlich bekämpfen. Jedoch stehen verschiedene Substanzen zur Verfügung, um im Falle eines Ausbruchs des Virus Symptome wie das Spannungsgefühl an der Lippe zu lindern. Bewährt haben sich vor allem antivirale Wirkstoffe, da sie die Vermehrung der Viren eindämmen und somit den Heilungsprozess besonders effektiv beschleunigen. In der Regel handelt es sich dabei um Gele oder Cremes mit sogenannten Virustatika – teilweise kombiniert mit entzündungshemmenden Wirkstoffen – die rezeptfrei in der Apotheke erhältlich sind. Ist der Herpes mit starken Schmerzen verbunden, besteht zudem die Möglichkeit bestimmte Salben mit örtlichem betäubendem Effekt aufzutragen.

Grundsätzlich sollte die Behandlung sofort erfolgen, wenn sich die Vorboten für einen Ausbruch wie Kribbeln, Brennen oder ein Spannungsgefühl bemerkbar machen, um die Bläschenbildung gering zu halten und eine möglichst rasche Heilung zu erzielen. Kommen Sie dazu gern bei uns in der Apotheke für eine Beratung vorbei. In bestimmten Fällen kann eine Einnahme von verschreibungspflichtigen Tabletten erforderlich sein. Sofern Sie sich unsicher oder die Symptome stark ausgeprägt sind, sollten Sie einen Arzt aufsuchen. Bei regelmäßig bis häufig (mehr als 12 Mal pro Jahr) auftretenden Herpesbläschen, können Sie mit ihm auch über die Einnahme eines virushemmenden Medikaments über einen bestimmten Zeitraum sprechen. 

Für die optische Behandlung gibt es unter anderem Herpespflaster, die über den kosmetischen Effekt hinaus auch eine Entzündung der offenen Wunde verhindern, somit den Heilungsprozess beschleunigen und die Bildung von Schorf verringern. Gleichzeitig helfen sie den unansehnlichen Herpes zu kaschieren, was für die Betroffenen auch zu einer psychischen Entlastung führt.

Achtung bei Personen mit geschwächtem Immunsystem und Neugeborenen

Bei Personen mit stark geschwächtem Immunsystem (z.B. Krebspatienten oder HIV-Infizierten) kann ein Herpesausbruch besonders schwer und großflächig auch an anderen Körperstellen wie zum Beispiel am Rücken oder Nacken auftreten. Zudem kann es zu schweren Krankheitsverläufen bis hin zu einer Lungenentzündung kommen. Besonders zu schützen sind auch Neugeborene, da eine Herpesinfektion bei ihnen meist einen besonders schweren Verlauf nimmt und bleibende Schäden hinterlassen kann. Die Viren gelangen bei Säuglingen leichter ins Blut und können sich somit im ganzen Körper und auch im Gehirn ausbreiten. Die Folge kann eine schwere Gehirnhautentzündung sein. Personen, die akut von einem Herpesausbruch betroffen sind oder kürzlich waren, sollten nicht in die Nähe von Neugeborenen und Säuglingen kommen oder zumindest einen Mundschutz tragen, verstärkt auf Hygiene achten und jegliche Berührung vermeiden.